Ehepaar errichtet den ersten Neubau

Senioren erinnern sich: Rote Reihe war früher nicht dicht besiedelt

Heinz Kölling, Getraut Kölling

Heinz und Getraut Kölling wohnen seit 1957 gemeinsam an der Roten Reihe. Francke (2)

Berenbostel. Heinz Kölling kennt die Rote Reihe wie seine Westentasche. Fast sein ganzes Leben hat er an der Straße gelebt. „Die Rote Reihe hieß schon immer so. Vermutlich wurde sie wegen der Rotdornbäume so genannt“, sagt der 83-Jährige.

„Wir Kinder aus der Nachbarschaft haben auf der Straße Schlagball gespielt“, erinnert er sich. Kölling wurde in Haus 52 von Berenbostel an der Roten Reihe geboren. Seit den siebziger Jahren steht sein Elternhaus jedoch nicht mehr.

Grundstücke waren  über Brücken erreichbar

„Links und rechts der Straße gab es Gräben, in die das Regenwasser ablief“, erzählt Kölling von früher. Die Grundstücke waren damals nur über kleine Brücken erreichbar. Erst als 1959 Wasserleitungen an die Häuser gelegt wurde, änderte sich das. Die Rote Reihe war zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht so dicht bebaut wie heute, vielmehr gab es noch Wiesen und sogar einen Bauernhof. „Bei Bauer Münkel hat meine Frau später noch die Milch geholt, heute stehen dort Mehrfamilienhäuser.“ Zwischen der Bäckerei Haubenreißer an der Kreuzung Lange Straße und der B 6 seien die Grundstücke noch frei gewesen. „Dort standen große Lindenbäume.“

Als Heinz Kölling 1957 heiratete und kurz darauf auf dem Grundstück der Eltern ein Haus für sich und seine Frau Gertraut errichten ließ (heute Rote Reihe 16), sorgte das für Aufsehen: „Es war der erste Neubau in der Straße. Die anderen kamen dann nach und nach. Außerdem haben wir eine Gas-therme und einen Gasherd einbauen lassen. Viele kamen vorbei, um sich das anzugucken.“

Salz und Zucker wurden  in Tüten abgepackt

Haus von Familie Kölling

1957 bauten Heinz und Gertraut Kölling ihr Haus an der Roten Reihe. Es war damals der erste Neubau an der Straße. „Das sorgte für Aufsehen“, sagt Heinz Kölling.

Gertraut Kölling erledigte ihre Einkäufe in einem kleinen Tante-Emma-Laden direkt gegenüber. „Salz und Zucker wurde noch in Tüten abgewogen“, sagt sie. Alle vier Wochen spielte im Saal der Gaststätte Döpke eine Kapelle zum Tanz auf. Die alte Wirtschaft stand an der Roten Reihe zwischen Hermann-Löns-Straße und Osterwalder Straße. Sie musste für einen rotgeklinkerten Neubau weichen.

Auch der Dorfplatz sah zu dieser Zeit noch völlig anders aus. „Damals fuhren die Autos dort in einer Art Kreisel“, sagt Heinz Kölling, der bei Döpke im Saal noch beim Geräteturnen des örtlichen Sportvereins mitgemacht hat. Der Berenbosteler hat miterlebt, wie sich die Rote Reihe über die Jahrzehnte zu einer belebten Einkaufsstraße entwickelt hat. Rechts und links seines Hauses entstanden moderne Geschäftshäuser.

Das Schlagballspiel von einst ist heute an der Straße nicht mehr vorstellbar – zu viele Autos passieren laufend die Rote Reihe. „Heute stehe ich mit meinem Auto mehrere Minuten an der Einfahrt und komme nicht vom Hof, weil so viel Verkehr herrscht“, sagt Heinz Kölling. Trotzdem ist er der Roten Reihe treu geblieben.

Gemeinsam mit der Familie hat er 1996 entschieden, in zweiter Reihe noch einmal zu bauen – seniorengerecht für sich und seine Frau. Im alten Haus wohnt jetzt die Tochter. Das neue Domizil steht auf geschichtsträchtigem Boden. „Im Krieg haben wir uns an dieser Stelle bei Fliegeralarm in einem selbst gebauten Erdbunker verkrochen“, erinnert sich Heinz Kölling.

von Bettina Francke