Die Boulevardmeile in der Dorfmitte

Von Flachswiesen zur Einkaufsstraße: Ortsbürgermeister Werner Baesmann erinnert sich

Rote Reihe

Die Rote Reihe ist heute eine lebendige Geschäftsstraße. Sie reicht von der B 6 bis zum Dorfplatz in der Ortsmitte. Francke (2)

Berenbostel. Wer heute die Rote Reihe entlanggeht, passiert fast auf ganzer Länge Häuser-
fassaden. Geschäfte wie Bäcker, Fleischer und Apotheken finden sich hier. Vor etwas mehr als 150 Jahren sah die Straße noch ganz anders aus. „Da waren sumpfige Wiesen links und rechts der Roten Reihe“, sagt der heutige Ortsbürgermeister Werner Baesmann. Und das hatte seinen Grund: Früher bauten die Berenbosteler hier Flachs an und gewannen so Leinen.

Für das Dorf war das neben den Ziegeleien – die älteste in Berenbostel entstand bereits 1873 – ein einträgliches Geschäft, das aber Ende des 19. Jahrhunderts ein Ende fand. Die Baumwolle kam auf und verdrängte das Leinen. Damit änderte sich auch das Bild der Roten Reihe, sagt Baesmann. „Die Wiesen wurden trockengelegt“, sagt er.

Hier entstanden Wohngebäude, aber auch Geschäftshäuser. Die meisten wurden mit dem Backstein aus den Ziegeleien gebaut. Angeblich soll die Straße ihren Namen wegen der Farbe der Ziegel tragen. Aber auch Landwirte hatten ihre Höfe weiterhin an der Roten Reihe.

Zementröhren

Das Foto zeigt frisch gefertigte Zementröhren, die auf dem Gelände der Firma von Gustav Beicke an der Roten Reihe lagerten. Beicke gründete das Unternehmen 1908, später übernahm Schwiegersohn Wilhelm Rehbock.

Vieles von dem, das Anfang des 20. Jahrhunderts entstand, hat die Zeit nicht überdauert. Wie die Zementröhrenfabrik Beicke, später Rehbock. Gustav Beicke hatte sie 1908 gegründet, später stieg dessen Schwiegersohn Wilhelm Rehbock mit ein. Doch heute steht hier, etwa in der Mitte der Roten Reihe, die Volksbank. Erster Leiter des 1973 und 1974 errichteten Instituts: Friedhelm Ernst, Neffe von Wilhelm Rehbock.

Auch Unternehmen wie der Fuhrbetrieb Eberhard, der Friseur Brand („Hier kostete der Haarschnitt zehn Pfennig“, sagt Baesmann) oder das Kaufhaus Beicke haben in den vergangenen Jahrzehnten den Betrieb eingestellt. Beicke, sagt Baesmann, „war das Geschäft, bei dem man alles kriegen konnte. Es hatte eine dominierende Stellung im Dorf.“

Werner Baesmann

Werner Baesmann

Anderes hat dagegen Bestand, wie die Gaststätten Reddert oder „Zum Dicken Fritz“. Die Gaststätten „waren einst der weltliche Mittelpunkt“ des Dorfs, sagt Baesmann. „Die Männer haben sich hier früher ihr Bier mit dem Krug aus den Gaststätten geholt“, sagt der Ortsbürgermeister.

Auch heute treffen sich in den Gaststätten noch die Berenbosteler. Kein Wunder, liegen sie doch am Dorfplatz und der Osterwalder Straße – jenen beiden Orten, die zusammen mit der Roten Reihe das Herz Berenbostels bilden. Für die Straße, die sich von einem Weg zwischen Flachswiesen zur Einkaufsstraße gemacht hat, hat Werner Baesmann übrigens eine besondere Bezeichnung. „Ich nenne sie gern eine Boulevardmeile“, sagt der Ortsbürgermeister.

Von Christian Franke

  Rote Reihe

Geschäftsstraße und Lebensader

Einstufung: Landesstraße

Länge der Straße: 600 Meter, von der Kreuzung mit der B 6 in Berenbostel bis zur Kreuzung am Dorfplatz mit der Osterwalder Straße und der Dorfstraße

Google-Treffer: Etwa 60 400

Zahl der Einwohner: 448

Zahl der Gewerbebetriebe: 75

Höchste Hausnummer: 42

Länge der Kanalrohre: 1,6 Kilometer, davon ein Kilometer Regenwasserkanal und 0,6 Kilometer Schmutzwasserkanal

Angrenzende Straßen:  Osterwalder Straße, Dorfstraße, Hermann-Löns-Straße, Melanchthonstraße, Stephanusstraße, Lange Straße und Weberstraße

Besonderheiten: Die Rote Reihe ist als Geschäftsstraße Lebensader von Berenbostel zum Teil verkehrsberuhigt.