Schraders bauen altes Fachwerk neu auf

Der Hof der Familie prägt seit etwa 1660 das Straßenbild – Sanierung des Haupthauses war Mammutprojekt

Haus von Familie Schrader

Das liebevoll sanierte Bauernhaus ist heute Blickfang für jeden, der den Hof an der Hauptstraße 193 betritt.

Osterwald. Das große Fachwerkhaus im Zentrum an der Hauptstraße 193 ist heute Blickfang für jeden, der den Hof von Udo und Heidi Schrader an der Hauptstraße 193 in Osterwald Unterende betritt. Jahrhundertelang war das stattliche Gebäude der Lebensmittelpunkt für die Landwirte und ihre Familien, die die Hofstelle über die Jahre hinweg bewirtschaftet haben.

Als Hermann und Alma Buchholz das Anwesen in den dreißiger Jahren pachteten, sah man ihm seine bewegte Geschichte deutlich an: Das Wohnhaus, Ställe und die Wirtschaftsgebäude waren in keinem guten Zustand. Dennoch war der Hof, damals noch mit der Hausnummer 15, mit rund 250 Morgen Land, drei Pferdegespannen und mehr als einem Dutzend Kühen, außerdem Schweinen und allerleih Federvieh das größte Anwesen in Unterende. Alte Steuerunterlagen bestätigen das dem ehemaligen Vollmeierhof, damals in Besitz des Pferdehändlers Lüdeke Foige, bereits für das Jahr 1689.

Herr Schrader auf Trecker, Frau Schrader neben Trecker

Udo und Heidi Schrader haben Freude am Erhalt von alten Dingen. Mit diesem Trecker hat die Familie noch bis Mitte der sechziger Jahre gearbeitet. Francke (3)

„Der Hof wurde vermutlich um das Jahr 1660 errichtet“, sagt der heutige Hofchef Udo Schrader.  Mit August Gustav Haase starb 1917 der letzte Vollmeier. Da der Pferdehändler keine Erben hatte, fiel der Hof damals in öffentliche Hand und wurde verpachtet.

Im Haupthaus wurde gewohnt und gearbeitet

Udo Schraders Vater, der Landwirt August Schrader, verheiratet mit der Tochter des letzten Pächterehepaars Hermann und Alma Buchholz, kaufte schließlich 1957 die Hälfte des Hofes – seitdem ist das Anwesen in Familienbesitz. In dem großen Haupthaus  wurde gewohnt und gearbeitet: „Wir haben bis Mitte der sechziger Jahre noch auf der Diele gedroschen“, erinnert sich Udo Schrader. Damals gehörte zu dem Hof noch ein Teich, auf dem die Nachbarskinder im Winter Schlittschuh liefen.

Dort, wo heute das Gebäude der Volksbank steht, waren Nutzgärten angelegt. „Gegenüber war eine große Wiese, dort feierten die Schützen ihre Feste. Heute ist dort ein Altenpflegeheim“, sagt Schrader. Er übernahm den Hof nach der Hochzeit mit seiner Frau Heidi im Jahr 1966 vom Vater. Etwa 20 Jahre lang hielt auch er noch Kühe auf dem Hof, stellte dann auf Schweinehaltung um.

Mit der Aufgabe der Landwirtschaft als Vollerwerb kam schließlich die Idee, den Hof umfassend zu sanieren. Sein erstes Bauprojekt startete Udo Schrader bereits 1987 mit dem Wiederaufbau des ehemaligen Backhauses. In mühevoller Arbeit zerlegte er das alte, seit Jahren ungenutzte Fachwerkgebäude in alle Einzelteile und baute es nach und nach wieder auf. „Das ist heute unser Altenteil“, sagt Heidi Schrader.

Schraders Haus

Udo Schrader hat auch das ehemalige Heuerlingshaus neu aufgebaut. Es ziert die Hauptstraße an der Kreuzung Molkereistraße.

Im Heuerlingshaus waren Helfer untergebracht

Dann wagte sich das Ehepaar an das Haupthaus, 1994 begann der aufwendige Ausbau. Auch Heidi Schraders Idee, den massiven Giebel mit Fachwerk zu ersetzen und Fenster einzuplanen, setzte ihr Mann in die Realität um. Schraders bauten den ehemaligen Stall, die Wohnräume und Strohboden zu Wohnungen aus – unter anderem wohnt jetzt Sohn Heiko mit Familie dort und bewirtschaftet auch die angrenzenden Felder des Hofs.

Nach diesem Mammutprojekt schien die Sanierung des ehemaligen Heuerlingshauses, wie das kleine Wirtschaftsgebäude, das am Rand des Hofs direkt an die Hauptstraße grenzt, eine Kleinigkeit. „Früher waren dort die Helfer der Landwirtschaft untergebracht. Wir haben das Haus neu aufgebaut, heute sind dort Garagen untergebracht“, erläutert Udo Schrader. Wenn es nach ihm ginge, würde er weiterbauen.

Die ein oder andere Idee hat der Senior dazu bereits im Kopf. Bislang bleibt es jedoch bei Plänen, die Querbalken des Hauptgebäudes mit Inschriften zu verzieren.

von Bettina Francke