Erwartung an die Trauung ist gestiegen

Der Standesbeamte Sven Eden verheiratet bis zu 90 Paare im Jahr – aber Eheschließungen sind längst nicht alles

von Bettina Francke

Garbsen. Wer denkt, dass im Standesamt nur geheiratet wird, der irrt: „Eheschließungen sind nur ein Teil unserer Arbeit, aber ein sehr schöner und spannender“, sagt Sven Eden – seit knapp zehn Jahren Standesbeamter in Garbsen. Gemeinsam mit seinen Kollegen pflegt und aktualisiert er laufend das Personenstandsregister der Stadt – darin sind beispielsweise sämtliche Geburten aus den vergangenen 110 Jahren und seit 80 Jahren auch alle Eheschließungen verzeichnet. Die Standesbeamten beurkunden Geburten, Namensänderungen, Sterbefälle, tragen Lebenspartnerschaften ein, stellen Ehefähigkeitszeugnisse aus und sind Ansprechpartner für die Vaterschaftsanerkennung. Kurzum: Das Standesamt ist neben dem Bürgerbüro die meist besuchte Stelle im Rathaus.

Als Leiter des Standesamts hat Sven Eden täglich mit Menschen aus ganz verschiedenen Kulturen zu tun. „Das macht es spannend. Es ist toll mit unterschiedlichem Recht zu jonglieren“, sagt er. Komplizierte Fälle seien das Salz in der Arbeitssuppe: „Versuchen Sie mal aus Syrien Urkunden zu bekommen“, sagt der 39-Jährige. Das sei aufgrund der politischen Lage mehr als schwierig. Die Bearbeitung von Anträgen kann so schon mal Monate oder sogar Jahre dauern. Aber längst nicht alle Anträge sind so kompliziert: Die drei Garbsener Standesbeamten verheiraten jeder bis zu 90 Paare im Jahr. „Im Sommer können das an einem Freitag schon mal fünf direkt hintereinander sein“, sagt er.

Weil immer mehr Paare auf eine kirchliche Trauung verzichten, sei die Erwartungshaltung an die Hochzeit im Standesamt gestiegen. „Dem versuchen wir natürlich zu entsprechen. Aber das setzt auch unter Druck“, sagt Eden. Noch heute ist der Standesbeamte vor jedem Trauungstermin etwas nervös. Vor vielen Menschen zu sprechen stört ihn aber nicht: „Das Geheimnis ist der richtige Satz im richtigen Moment, der bei allen für Lockerheit sorgt“, sagt er. Mit der Zeit bekomme man dafür ein Gespür. Doch auch Sven Eden ist schon versehentlich in das ein oder andere Fettnäpfchen getreten: „Gleich bei meiner ersten Eheschließung habe ich der türkischen Braut nach der Trauung die Hand gegeben. Einige Sekunden Schweigen war die Folge“, erinnert sich der Standesbeamte. „Damals wusste ich noch nicht, dass das nicht üblich ist.“ Aber es gibt auch schöne und verrückte Begebenheiten, die im Gedächtnis bleiben: „Ich habe schon Paare getroffen, die drei Anläufe bis zum ‚Ja‘ gebraucht haben.“ Bei zwei heiratswilligen Rentnern erinnert sich Eden vor allem an deren liebevollen Umgang miteinander. „Ein weiteres Paar kam als Cowboy und Indianermädchen zur Trauung.“

Das Trauzimmer im Rathaus ist sein Arbeitsplatz: Sven Eden (39) leitet das Standesamt in Garbsen.

Neuerdings kann auch in der Horster Mühle (kleine Bilder, von links) geheiratet werden. Jedes neu verheiratete Paar kann ein Familienstammbuch anlegen. Die Heiratsurkunde ist das erste gemeinsame Dokument dafür. Die gestrickte Braut samt Bräutigam sind Maskottchen auf Edens Schreibtisch.