Garbsens bunte Kulturszene bietet viele Inspirationen

Altes zieht die Blicke auf sich: Im Heimatmuseum gibt’s Geschichten über Geschichte

Ob Leisten oder Hammer aus der Schusterwerkstatt von anno dazumal, Opas Abakus und Schiefertafel im alten Klassenzimmer, Töpfe, Pfannen und Bügeleisen aus (Ur-) Omas Küchenreich nebst tönernen Urnengefäßen aus der Eisenzeit: Im Heimatmuseum in Altgarbsen wird für Besucher bei einem Rundgang auf 350 Quadratmetern Ausstellungsfläche die Geschichte der Stadt lebendig. Dabei hat das Haus an der Hannoverschen Straße 134 als ehemalige Arbeiterküche einer Ziegelei sowie als Gastwirtschaft, in der 1905 der örtliche Schützenverein gegründet wurde, selbst Geschichte geschrieben. Mehrere Sonderausstellungen pro Jahr bieten interessante Einblicke in die Historie wechselnder Themen – ehrenamtlich organisiert vom Museumsverein. Das Museum ist außerhalb der Schulferien jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Im Spielzeugmuseum eintauchen in die Welt der Kinder

Liebevoll eingerichtete Puppenstuben und Einkaufsläden, historische Puppen und ein neugotischer Spielaltar: Dass eine gemeinsame Sammelleidenschaft gleich zwei Leben bereichern kann, zeigen Gertrud und Johannes Müllmann in ihrem privaten Puppen- und Spielzeugmuseum im Talkamp 19 im Ortsteil Auf der Horst. Was mit einer Käthe-Kruse-Puppe begann, ist zu einem facettenreichen und einzigartigen Sammlungsschatz angewachsen, der von Puppen über Gesellschaftsspiele bis zu Geräten wie einem Cinematographen aus dem Jahr 1910 reicht.

Klein, aber oho: Im Horster Harlekin ist der Name Programm

Wo finden Frauenversteher und Esoterikerinnen mit Erleuchtung eine Bühne für ihr neuestes Programm? Wo treiben „Böse Schwestern“ ihr (komödiantisches) Unwesen und treffen singende swingende Jazzer auf ein mitschnippendes, begeistertes Publikum? Der Horster Harlekin an der Andreaestraße 16 ist Garbsens Kleinod für Kleinkunst. Seit 1994 treten in dem nur 72 Sitzplätze umfassenden, ehemaligen Backsteinhaus aus dem Jahr 1910 mit Fachwerkkonstruktion im Inneren sowie einer Tenne Kabarettisten, Musi- ker, Comedians und Co. auf. Gründerin und Theaterleiterin Jördis Coldewey hat den Harlekin durch ihr feines Gespür für gute Unterhaltungskunst auch außerhalb der Stadtgrenzen bekannt gemacht – als Bühne, auf der sich Geistreiches mit Schlagfertigkeit und Heiterkeit paart, wie beim Harlekin eben. Informationen zum aktuellen Programm gibt es in Internet auf horsterharlekin. de.

Das Kulturbüro organisiert Kultur in allen Facetten

Theater, Kleinkunst, Theater für Kinder und „Außer der Reihe“ – aber auch Vielfalt und Qualität stehen auf dem Spielplan des Kulturvereins. Bereits seit 1977 präsentiert der Kulturverein jährlich ein abwechslungsreiches Kulturprogramm sowie namhafte Künstler. 1990 wurde mit finanzieller Unterstützung der Stadt das Kulturbüro, heute am Südeingang des Rathauses zu finden, eröffnet. Es ist zentrale Anlaufstelle für alle Themen rund um die Kultur. Träger ist der Kulturverein Das Kulturbüro ist zudem größte Vorverkaufstelle für regionale und lokale Veranstaltungen.

Die Kulturtage sind seit 1993 alle zwei Jahre das herausragende Kulturthema in Garbsen und darüber hinaus. Die Kulturtage werden konzipiert unter der künstlerischen Leitung von Vera Brand. Ob Musik und Tanz, Theater und Film oder bildende Kunst – an vielen Orten in Garbsen erleben die Besucher Kultur in allen Facetten. Bekannte und internationale Künstler wie Susanne von Borsody, Nicolai Kinski, der Cirque Buffon und die A-Capella- Gruppe Maybebop präsentierten ein Kulturkaleidoskop – mal laut und mal leise aber immer auf höchstem Niveau. Das Parkpanoptikum im Stadtpark mit verschiedenen Darbietungen, Walk Acts und den schmackhaften Tafelfreuden ist der beliebte Abschluss.

Garbsen l(i)ebt den Blues

Seit dem Jahr 2000 verwandelt sich der Rathausvorplatz im Sommer in eine Bühne für internationale Größen des Blues. Bei der Blues-Matinee, die die Abteilung Kultur und Sport in Kooperation mit Garbsener Unternehmen organisiert, waren schon solch renommierte Bands wie B. B. and the Blueshacks, die Henrik Freischlader Band, Big Daddy Wilson und Patricia Vonne zu Gast. Die Veranstaltung ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und wird durchschnittlich von etwa 300 Bluesfans besucht. Und weil die Garbsener auch im Frühling und Herbst den Blues leben wollen, findet der so genannte Blues-Evening in der kälteren Jahreszeit in der Rathaushalle statt.

Die Stadtbibliothek ist ein Paradies für Lesefans

Die 2011 am Rathausplatz eröffnete, moderne Stadtbibliothek mit dem ozeanblauen Lichtportal ist nicht nur ein Büchertempel, der 76 000 Medien überaus attraktiv präsentiert. Ob die liebevoll mit bunten Lampen gestaltete Kinderbuchabteilung oder das Lesecafé mit vielen Sitzgelegenheiten und langem Tisch: Architekten und Bibliothekare haben dort auf 1600 Quadratmetern einen lichtdurchfluteten Ort der Kommunikation geschaffen, der mit moderner Farbgestaltung und innovativer Lichttechnik beeindruckt. Ein Selbstverbuchungssystem erleichtert die Ausleihe ebenso wie die mögliche Nachtrückgabe. Die Stadtbibliothek ist auch eine Bühne für Lesungen, Podiumsdiskussionen und Vorträge.

Kalle, die neue Kulturszene im alten Rathaus

Neue Keimzelle für Kunst und Kultur ist das Kulturhaus im ehemaligen Rathaus in Havelse, An der Feuerwache 13, ist das Kulturhaus Kalle. Das „Kalle“ (Kultur für alle) ist seit Oktober 2012 Sitz von zahlreichen Künstlern und Vereinen, darunter die Seniorengemeinschaft, der Schachklub Garbsen, der NABU und der Hausfrauenbund. Partner sind unter anderem das Projektteam von EinfachGenial und verschiedene Künstler, die im Kalle ihre Werkstätten und Ateliers haben.

Vom Souterrain ins Rampenlicht: Die Kellerbühne ist ein Besuchermagnet

Die Kellerbühne verdankt ihren Namen dem ersten Treffpunkt der Laienschauspielschar: dem Keller eines Mitgliedes. Doch die Akteure müssen sich mit ihrer Kunst nicht in dunklen Gewölben verstecken. Seit mehr als 35 Jahren führen die hoch motivierten Darsteller deutsche, amerikanische und britische Komödien und sogar selbst geschriebene Stücke auf. Mit intensivem Spiel und Detailtreue überraschen sie dabei immer wieder ihr Publikum. Steckenpferd sind mittlerweile die Werke von Loriot. Der Lohn: Ein treues Stammpublikum, das bei den jährlichen Auftritten regelmäßig die große Aula im Schulzentrum bis auf den letzten Platz füllt.

Rock, Pop und Klassik: Die Musikschule setzt auf Kooperationen

Von Gesang über Rock und Pop bis zur Klassik: Die 35 Lehrkräfte der Musikschule Garbsen unterrichten etwa 800 Kinder, Jugendliche und Erwachsene an 25 Orten in ganz Garbsen. Die Kurse sprechen alle Alterstufen an. Die Musikschule setzt auf Kooperationen und gibt Kurse in Schulen und Kindergärten und auch in eigenen Räumen. Einen Großteil ihrer Kurse bietet die Musikschule im „Kalle“ an. Der alte Sitzungssaal des ehemaligen Rathauses steht für Konzerte und Veranstaltungen bereit. Das Unterrichtsangebot umfasst neben dem klassischen Instrumentarium den Popularbereich von E-Gitarre bis zum Keyboard und Pop-/Rockgesang sowie Theoriekurse.

Tanzen, feilschen und spielen beim Stadtfest

Bekannte Bands und Showacts, Spaß und Spiel und die legendäre Fundsachenversteigerung: einmal im Jahr verwandelt sich der Rathausplatz für ein Wochenende lang in eine Partymeile. Das Stadtfest lockt die Garbsener alljährlich mit Livemusik und vielfältigen Aktionen für alle Generationen. Mehrere Jahre lang war der Citylauf Auftakt Party. Beim Flohmarkt für soziale Zwecke, der Hobbykünstlerausstellung und der Fundsachenversteigerung der Stadt Garbsen gibt es Sehens- und Sammelwertes für Schnäppchenjäger. Höhepunkt des jährlichen Stadtfests ist ein musikalischer Act am Abend auf der Bühne.

Das Stadtarchiv gewährt Einblick in die Lokalgeschichte

Akten und Amtsbüchern ab dem Jahr 1780 auch Schularchive ab 1834 sowie Karten und Pläne Das Stadtarchiv in der Lehmstraße im Stadtteil Horst gewährt einen spannenden Einblick in die Lokalgeschichte. Das Stadtarchiv präsentiert auch Schularchive ab 1834 sowie Karten und Pläne und eine umfangreiche Archivbibliothek zur Regionalgeschichte. Wer seine Familiengeschichte erkunden will, findet im Stadtarchiv den besten Ausgangspunkt: Mehr als 300 Geburten-, Hochzeits- und Sterbebücher aus der Zeit ab 1874 geben Auskunft.

Einzigartig, auch ohne rauschenden Bach:

Die Horster Windmühle Elf Mühlen haben einst die Garbsener Landschaft mit geprägt. Nur eine einzige davon ist übrig geblieben: die Mühle im Ortsteil Horst. Müller Johann Henrich Heidemann hat sie im Jahr 1849 erbaut, als Nachfolgemodell der bereits um 1550 vom damaligen Herzog Erich II genehmigten Bockwindmühle. Die besonderen Kennzeichen der Mühle: Eine drehbare Haube, wie es in Holland üblich war, und eine Art Geländer im unteren Drittel der Mühle, die sogenannte Galerie. Daher stammt auch der Name Galerieholländermühle. Heidemann soll die Ziegelsteine dafür sogar selbst in einem Ofen auf dem Acker nebenan gebrannt haben. 1858 stieg der Müller auf Dampfmaschinenantrieb um, der 1923 durch einen Elektromotor ersetzt wurde. Bis 1975 wurde die Mühle mehrfach umgebaut und betrieben, danach verfiel sie zusehends. Anfang des neuen Jahrtausends erhielt die denkmalgeschützte Motormühle eine Grundsanierung. Heute befindet sie sich in Privatbesitz.